{"id":315,"date":"2014-04-03T18:22:41","date_gmt":"2014-04-03T16:22:41","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.oley-iiv.de\/?p=315"},"modified":"2014-04-03T19:53:53","modified_gmt":"2014-04-03T17:53:53","slug":"boxenhaltung-ein-fernsehbeitrag-und-unsere-erfahrungen-dazu","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.oley-iiv.de\/?p=315","title":{"rendered":"Boxenhaltung &#8211; ein Fernsehbeitrag und unsere Erfahrungen dazu"},"content":{"rendered":"\n<!-- wpsso pinterest pin it image added on 2026-05-01T23:38:38+00:00 -->\n<div class=\"wpsso-pinterest-pin-it-image\" style=\"display:none !important;\">\n\t<img src=\"http:\/\/blog.oley-iiv.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/cropped-FacebookTitel-e1487797004671.jpg\" width=\"0\" height=\"0\" class=\"skip-lazy\" style=\"width:0;height:0;\" alt=\"\" data-pin-description=\"No Description.\" \/>\n<\/div><!-- .wpsso-pinterest-pin-it-image -->\n\n<p>Ein <a title=\"3sat Beitrag - Mediathek-Link\" href=\"http:\/\/www.3sat.de\/mediathek\/?mode=play&amp;obj=39753\" target=\"_blank\">3sat-Fernsehbeitrag<\/a> bringt einige Aspekte sehr kurz, aber eindeutig auf den Punkt.<\/p>\n<p>Die Boxenhaltung ist und bleibt f\u00fcr Pferde die untypischste Haltungsform, die es geben kann &#8211; sicher trifft das auch auf Elefanten, Gnus und Antilopen und viele andere Tierarten zu, aber die haben wir nunmal nicht so h\u00e4ufig als Lieblings-Familienanhang zu Hause &#8211; und die Folgen k\u00f6nnen dramatisch sein.<\/p>\n<p>Die Statistiken, wie auch im Film erw\u00e4hnt, sagen, da\u00df ein Pferd durchaus auch mal 30 Jahre alt werden kann, manche \u00e4lter und manche eben nicht-viele rassetypischen Aspekte spielen dabei eine gewisse Rolle. Die Erreichbarkeit eines so hohen Alters geschieht dabei unter Beaufsichtigung der Menschen und der gezielten F\u00f6rderung von Gesundheit und Wohlbefinden.<\/p>\n<p>Die Boxenhaltung schneidet im Vergleich zur Offenstallhaltung statistisch gesehen katastrophal ab, sofern man von einer gleichbleibenden medizinischen Grundversorgung ausgeht. Dies besagt, vergleiche ich ein Pferd in der Box mit einem in Offenstallhaltung lebenden Pferd, wird letzteres im Durchschnitt durchaus 15-20 Jahre \u00e4lter. Soweit die Statistik der Wissenschaft &#8211; und f\u00fcr die Betrachtung m\u00f6chte ich durchaus bei den ver\u00f6ffentlichten Statistiken trauen, auch wenn gef\u00fchlt der eine oder andere Grund die Statistikaussagen verf\u00e4lschen kann.<\/p>\n<p>Was bedeutet es, da\u00df Pferde in Boxenhaltung eine deutlich geringere Lebenserwartung haben als Offenstall-Pferde? Die Hauptursachen sind nach meiner Meinung in zwei Kategorien einzuteilen.<\/p>\n<p>Erster Grund sind echte k\u00f6rperliche Auswirkungen insbesondere der mangelnden und sehr ungleichm\u00e4\u00dfigen Bewegung, verbunden mit atypischer F\u00fctterung, Futteraufnahme und Verdauung. Alle wissen, ein Pferd ist darauf ausgelegt, ca. 16 Stunden t\u00e4glich in geb\u00fcckt-wandernder Haltung langsam durch die Graslandschaften zu wandern und kontinuierlich das Verdauungssystem mit Futternachschub zu versorgen. Der Bewegungsapparat, die Sinneswahrnehmung und die Verdauungsorgane selbst sind perfekt darauf eingerichtet. Was passiert in der Box? Logischerweise genau das Gegenteil, das Pferd bewegt sich kaum, frisst die Masse des Futters meist aus einem hochliegenden Trog und bekommt dieses dreimal t\u00e4glich. Um es genau zu betrachten, nur ganz wenige St\u00e4lle versuchen, diesen Kreislauf zu durchbrechen durch einen k\u00fcrzeren oder l\u00e4ngeren Weideauslauf. Dabei kenne ich aber keine Statistik, wieviele Stunden Weidegang pro Tag wie vielen Jahren Lebenszeitgewinn entsprechen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der zweite Grund sind psychosoziale Auswirkungen. Wieder der Sprung in die Natur, worauf ist ein Pferd optimal ausgelegt? EInmal nat\u00fcrlich auf Besch\u00e4ftigung, Pferde sind aufmerksame, erlebnishungrige, die Umwelt registrierende Wesen und haben darauf ausgerichtete Denk- und Verhaltensmuster. Was passiert, wenn dieses Wesen von Umwelt und Verhaltensaus\u00fcbung abgeschnitten ist? Pferde reagieren mit Verhaltens- und Sozialst\u00f6rungen. Sie suchen sich verhaltensuntypische, meist gesundheitssch\u00e4dliche Besch\u00e4ftigungen, um Kopf und Sinne in Bewegung zu halten. Sie erkunden nicht die Umgebung, sondern koppen und weben, um einfach Verbindungen zwischen Denk- und Bewegungsapparat am Leben zu erhalten. Die so entwickelten Zwangsneurosen sind meiner Meinung nach mit dem \u00dcberlebensdrang eines Fluchttieres zu begr\u00fcnden, denn nach wie vor suggerieren die Instinkte dem Pferd, scharfe Sinne zu behalten, die bei Gefahr das Pferd schnellstm\u00f6glich in Bewegung versetzen k\u00f6nnen. Dem Sicherheitsbed\u00fcrfnis eines Pferdes angepasstes Sozialverhalten, sprich das Leben in einer Gruppe, die miteinander lernt, lebt, sich sch\u00fctzt und unterst\u00fctzt, kann eine Boxenhaltung in keinster Weise entsprechen.<\/p>\n<p>Das Fazit, die Boxenhaltung widerspricht s\u00e4mtlichen k\u00f6rperlichen und psychosozialen Notwendigkeiten f\u00fcr eine gesunde Lebensform &#8211; das Pferd quittiert dies &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; mit einem schnelleren Ableben, da die Lebensreserven, die ihm am Anfang mitgegeben werden, viel schneller verbraucht sind als bei einem Pferd, dass in freier Natur nicht nur weniger Ressourcen vergeudet, sondern auch noch &#8222;nachtanken&#8220; kann.<\/p>\n<p>Unsere Erfahrungen belegen dies eindrucksvoll. In unserem Bestand gibt es auch einige Pferde, die aus einer reinen Boxenhaltung kommen und bereits deutlich mehr Lebensenergie verbraucht haben als die vergleichbaren Pferde aus unserer Offenstallhaltung. Ein Pferd lebt mit den Folgen der schlechten Luft eines engen, muffigen Stalles sowie einer Verhaltensst\u00f6rung, das Pferd ist d\u00e4mpfig und koppt. Ein anderes Pferd hat den hohen Sportbelastungen nur bedingt standhalten k\u00f6nnen. Die schnellen Wechsel zwischen absolutem Bewegungsmangel und geforderter H\u00f6chstleistung f\u00fchrten zu einer schweren Arthrose in den Hinterbeinen, daher ist die Stute heute unser &#8222;Ruhestands&#8220;-Pferd. Ihre Boxenaggression konnte sie gl\u00fccklicherweise bereits nach wenigen Jahren Offenstallhaltung gr\u00f6\u00dftenteils ablegen. Es gibt nur noch wenige Situationen, die bestimmte Erinnerungen an die Boxenzeit und \u00dcberlastung antriggern und eine negative Reaktion hervorrufen &#8211; aber es ist kein Vergleich mehr zur Boxenzeit, als man ernsthaft \u00fcberlegte, ein Schild anzubringen: &#8222;Bitte nicht n\u00e4hern, Pferd bei\u00dft!&#8220; und nur ganz wenige Menschen gefahrlos die Box misten konnten, ohne der Gefahr eines Trittes ausgesetzt zu sein. Ein drittes Beispiel f\u00fcr die Auswirkungen der Boxenhaltung zeigten sich bei unserem Traber, der trotz entgegengesetzter Beteuerungen keinerlei herdentaugliches Verhalten mitbrachte. Vom Grundtypus ein dominanterer Charakter, traute er sich am Anfang nicht an das Heu und wurde von der Herde komplett ausgestossen &#8211; es f\u00fchrte \u00fcberhaupt kein Weg hinein, er drohte lieber verhungern zu wollen als sich in die Herde integrieren zu wollen. Als gl\u00fccklicher Umstand erwies sich der Umzug auf ein anderes Gel\u00e4nde, was dem Traber die Chance gab, die Herdenunsicherheit und -neuausrichtung zu nutzen, sich in der Rangordnung nach oben zu k\u00e4mpfen. Heute ist er dominant an vorderster Stelle in der Herde, zeigt aber auch hier mitunter \u00fcberzogenes Sozialverhalten, indem er sich aus unbekanntem Grunde pl\u00f6tzlich ein Pferd aussucht, welches er mit gro\u00dfer und \u00fcberzogener Vehemenz zurechtweisen und dominieren will und s\u00e4mtliche Signale der Ergebenheit und des Zur\u00fcckweichens des ausgesuchten Opfers ignoriert oder verkennt. Auf Deutsch: Er kriegt sich nicht ein! Auch dieses Verhalten, welches heute zum Gl\u00fcck nur noch selten auftritt und sich sehr einfach durch deutliche Mehrbesch\u00e4ftigung korrigieren l\u00e4\u00dft, l\u00e4\u00dft sich auf mangelnde soziale Kontakte zur\u00fcckf\u00fchren. Am Anfang konnten wir ihn in solchen Situationen nur f\u00fcr eine Weile aus der Herde nehmen, dies ist heute nicht mehr notwendig.<\/p>\n<p>Die beschriebenen Verhaltensst\u00f6rungen, k\u00f6rperliche und psychosoziale, kennen wir von unseren Offenstallpferden nicht. Sowohl die aus Offenstallhaltung gekauften als auch die eigenen Nachzuchten, mittlerweile 31, verhalten sich deutlich n\u00e4her am gew\u00fcnschten nat\u00fcrlichen Verhalten, sofern man das beurteilen kann. Schlie\u00dflich sind gerade in Mitteleuropa kaum noch Wildpferde unterwegs, und wie existierenden Wildpferde auf dieser Welt wurden noch nicht so intensiv untersucht, da man ja domestizierte Pferde vor der Nase hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es wie immer noch einige andere Aspekte, die bez\u00fcglich der Statistiken beachtet werden sollten, da sie diese sich mitunter verzerrend auswirken k\u00f6nnten. Im allgemeinen Verst\u00e4ndnis gilt nach wie vor die Boxenhaltung als elit\u00e4r, sauber und sch\u00f6n, woher auch immer dieses Vest\u00e4ndnis her\u00fchrt. Wer etwas auf sich h\u00e4lt und darstellen will &#8211; auch finanziell &#8211; stellt sein Pferd sehr oft in die Box, da ist es sauber, es wird sich gek\u00fcmmert, das Futter kann nie zu teuer sein, die teure Ausr\u00fcstung kommt in sauberen St\u00e4llen und bei sauberen Pferden nicht zu schaden &#8211; man kann also immer damit prahlen. Au\u00dferdem wirkt f\u00fcr viele ein gesunder Heubauch deutlich unsch\u00f6ner als eine krankhaft angefressene Schlankheit bei &#8222;sch\u00f6nen&#8220; Dressur- und Springpferden. Hier liegt noch vieles im Argen &#8211; umgedreht bedeutet es aber sehr oft auch, dass die Pferde medizinisch mehr versorgt werden, jede OP bezahlt werden kann und bezahlt wird &#8211; Pferde k\u00f6nnen mit Geld l\u00e4nger am Leben bleiben. Ein anderer Aspekt, der sehr oft zu Boxenhaltung f\u00fchrt, ist die Tatsache der Enge, gerade in den Ballungsr\u00e4umen der Gro\u00dfst\u00e4dte &#8211; es g\u00e4be nie und nimmer ausreichende Fl\u00e4chen, um alle Boxenpferde artgerecht in Offenst\u00e4llen unterzubringen. Boxen sind sicher teuer, L\u00e4ndereien in Gro\u00dfstadtn\u00e4he aber keineswegs billiger.<\/p>\n<p>Ein nachteiliger Aspekt f\u00fcr die Lebenserwartung bei Pferden in Offenstallhaltung ergibt sich aus einem ganz anderen Zusammenhang. Den vielen, sehr guten und ambitioniert (und teuer) gef\u00fchrten Offenst\u00e4llen steht eine nicht geringe Zahl von armseligen Haltungen gegen\u00fcber. Dies resultiert daraus, da\u00df eine Offenstallhaltung im Minimum der Anforderungen eine preiswerte Alternative sein kann und somit f\u00fcr viele finanzschwache Menschen die einzige Alternative zum Pferdebesitz ist. Leider geht dies oft damit einher, da\u00df sich das Geldsparen in Versorgung und F\u00fctterung, bei Ausbildung und medizinischer Betreuung fortsetzt. Dabei steht nicht die Offenstallhaltung selbst am Pranger, sondern die Unverantwortlichkeit von Pferdehaltern, der leider auch viele Pferde in Offenstallhaltung vorzeitig zum Opfer fallen.<\/p>\n<p>Obwohl die Offenstallhaltung nachweislich die pferdegerechtere Haltungsform darstellt, gibt es noch viele Probleme zu l\u00f6sen, bis vielleicht alle Pferde etwas davon haben.<\/p>\n<p>Zuerst ist es eine Sache der Einstellung bei den Pferdehaltern: Pferdehaltung bedeutet Respekt und Achtung vor dem Tier und keine Selbstdarstellung oder Ersatz des eigenen Egos. Breite Schichten des Pferdewesens m\u00fcssen n\u00e4her zusammenr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die k\u00fcnstlichen Diskrepanzen zwischen Leistungssport- und Freizeitreiterei, zwischen Englischer, Western und allen anderen &#8222;Reitweisen&#8220; sowie zwischen armen und reichen Pferdehaltern d\u00fcrfen sich nicht \u00fcber das Wohlbefinden des Pferdes ausstreiten.<\/p>\n<p>Die althergebrachten politischen Richtlinien zwischen st\u00e4dtischer (gewerblicher) und landwirtschaftlicher Pferdehaltung m\u00fcssen zwingend angepasst werden. Wir kennen selbst die schier unl\u00f6sbare Konstellation, die einem normalverdienenden, nichtb\u00e4uerlichem Pferdehaltungsbetrieb entgegensteht, eine artgerechte Pferdehaltung in einem\u00a0 wirtschaftlich lukrativen Einzugsgebiet zu betreiben. Die Vorschriften in Deutschland sind so eng gestrickt, da\u00df im Ernstfall mindestens eines von 7 involvierten \u00c4mtern immer &#8222;Nein&#8220; sagen kann.<\/p>\n<p>Mein Eindruck ist, da\u00df gerade in Berlin die Pferdehaltung mit dem Bau des Berliner Flughafens vergleichbar ist: (&#8222;Alle wollen so schnell und nah wie m\u00f6glich abfliegen, aber keiner will den Flughafen&#8220;) &#8211; Alle wollen in unmittelbarer N\u00e4he m\u00f6glichst g\u00fcnstig und immer reiten, aber Pferde in der Nachbarschaft st\u00f6ren ungemein! Dies macht eine Offenstallhaltung sehr schwer, die baurechtlichen und gemeindesatzungsrechtlichen Bestimmungen lassen kaum Raum, w\u00e4hrend die gewerblichen Boxenst\u00e4lle &#8222;lediglich&#8220; den viel weicheren veterin\u00e4ramtsrechtlichen Bestimmungen folgen m\u00fcssen &#8211; in der politischen Realit\u00e4t hat ein Bauamt deutlich mehr Macht als ein Veterin\u00e4ramt. W\u00e4re das umgekehrt, k\u00f6nnten sicher viel mehr verantwortlich gef\u00fchrte Offenst\u00e4lle \u00fcberleben und den Pferden Gutes tun.<\/p>\n<p>Quintessenz: Wem n\u00fctzen die bewiesenen wissenschaftlichen Tatsachen in der praktischen Realit\u00e4t?<\/p>\n<p><a title=\"Cahokia Reitschule Reiner Oley\" href=\"http:\/\/www.cahokia-reitschule.de\" target=\"_blank\">www.cahokia-reitschule.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/cahokia.reitschule\" target=\"_blank\">www.facebook.com\/cahokia.reitschule<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein 3sat-Fernsehbeitrag bringt einige Aspekte sehr kurz, aber eindeutig auf den Punkt. 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